Geschichte des Stadtteils Friedrichsdorf

Dr. Rüdiger Lenz

Der heutige Eberbacher Stadtteil Friedrichsdorf gehörte seit seiner Gründung stets zur Herrschaft Zwingenberg und war dadurch kein unmittelbar pfälzisches Dorf wie die benachbarten Orte. Friedrichsdorf entstand in der frühen Neuzeit als Gründung des Zwingenberger Burgherrn Friedrich vom Hirschhorn, der als Namensgeber im Ortsnamen weiterlebt. Dieser siedelte kurz vor Beginn des Dreißigjährigen Krieges Kolonisten im Bereich des Zwingenbergischen Herrschaftswalds an. Das genaue Gründungsdatum ist originär nicht überliefert, nach einer jüngeren archivalischen Überlieferung wurde die kleine Siedlung im Jahr 1614 angelegt. Mit der Herrschaft Zwingenberg zählte Friedrichsdorf zur Zent Eberbach und unterstand pfälzischer Landeshoheit, die Ortsherrschaft übte der jeweilige Inhaber der Herrschaft Zwingenberg aus.

Vermutlich während des Dreißigjährigen Krieges zerstört, bauten Schweizer Einwanderer (aus dem Kanton Zürich) das Dorf seit 1681 als Waldhufensiedlung wieder auf. Alles Privateigentum ist aus dem einst herrschaftlichen Wald durch Rodungen entstanden. Friedrichsdorf besaß noch im späten 18. Jahrhundert eine regelmäßige Gliederung entlang der Ortsstraße. Hinter jedem Haus lag das zugehörige Ackerfeld. Langsam schälte sich auch die Unterteilung zwischen Oberdorf und Unterdorf heraus. Die Ortsherrschaft über Friedrichsdorf ging nach dem Tode Friedrichs vom Hirschhorn (1632) in verschiedene Hände über. Nach dem Westfälischen Frieden (1648/49) folgte ein langer Erbstreit zwischen den Gölern von Ravensberg und anderen Verwandten der Herren vom Hirschhorn. Die Kurpfalz blieb jedoch im faktischen Besitz der Herrschaft Zwingenberg, mit der 1696 Franz Melchior von Wiser belehnt wurde. Durch kaiserlichen Hofratsentscheid erreichten 1728 die Gölerschen Erben die Bestätigung ihrer Ansprüche, die sie 1746 an die Pfalz verkauften. Die Ortsherrschaft der Pfalz über Friedrichsdorf war seit 1751 unbestritten. 1778 überließ Kurfürst Karl Theodor die Herrschaft Zwingenberg seinem nichtehelichen Sohn, dem [späteren] Reichsgrafen Karl August von Bretzenheim und seinen drei nichtehelichen Töchtern zu Erblehen. Anstelle des Hauses Leiningen übernahm Großherzog Karl Friedrich von Baden 1808 die Herrschaft Zwingenberg zur Versorgung seiner Söhne aus zweiter Ehe. Er erhob Zwingenberg zu einer Standesherrschaft.

Friedrichsdorf gehörte von 1807 bis 1813 zum standesherrlichen Justizamt Zwingenberg, 1840 bis 1849 zum Bezirksamt Neudenau in Mosbach, sonst stets zum Amt Eberbach, bis dieses 1924 aufgehoben wurde. 1925 wurde die Gemarkung Badisch-Schöllenbach eingemeindet, ein Jahr später wurde bei der Auflösung der Waldgemarkung Zwingenberg der nördliche Teil des Distriktes Rotensohl der Gemeinde Friedrichsdorf zugewiesen.

Die Gemeinde Friedrichsdorf unterstand noch im frühen 19. Jahrhundert dem ebenfalls zwingenbergischen Ortsgericht in Waldkatzenbach. Erst ab 1838 ist ein eigener Bürgermeister bekannt. Er führte ab 1853 auch die Polizeiaufsicht über den Sondernachsgrund (heute: Gaimühle). Die Gaimühle wurde im Jahr 1900 nach Eberbach eingemeindet. In einem ähnlichen Verhältnis zu Friedrichsdorf stand seit 1872 der 1925 vollständig eingemeindete Ortsteil Badisch-Schöllenbach. Zwischen 1931 und 1935 ließen sich von der Stadt Eberbach ausgehende Eingemeindungsprojekte nicht durchsetzen, u.a. auch die Eingliederung der Dörfer Rockenau, Pleutersbach, Friedrichsdorf, Zwingenberg, Oberdielbach und Lindach. Der Vorstoß, eine Auswirkung der Weltwirtschaftskrise, stützte sich auf eine Notverordnung vom Oktober 1931. Die Eingliederung des [damals] 307 Einwohner umfassenden Dorfes Friedrichsdorf nach Eberbach wurde mit wirtschaftlichen Aspekten, daneben mit der Abgelegenheit an der Bezirksgrenze begründet. Eine Eingemeindung wurde aber vom NS-Kreisleiter wegen der großen Entfernung verworfen und statt dessen auf die geplante „Reichsreform“ vertröstet, die eine Eingliederung des hessischen Nachbardorfes Kailbach ermöglichen sollte.

Die Gemeinde Friedrichsdorf verfügte über ein 1899 errichtetes Rat- und Schulhaus. Der Gemeindebesitz betrug nur knapp 10 ha Wald und etwa 3 ha landwirtschaftliches Gelände. Die Wasserversorgung mit Hausanschlüssen war seit 1913 gesichert. Seit 1928 wurde der Ort mit elektrischem Strom versorgt. Die Freiwillige Feuerwehr wurde 1912 gegründet. Im 19. Jahrhundert war für die Lutheraner Waldkatzenbach die zuständige Pfarrei. Katholiken und Reformierte pfarrten nach Strümpfelbrunn. 1921 kam Friedrichsdorf zur evangelischen Pfarrei Eberbach, dort befindet sich seit 1899 auch der Sitz der katholischen Pfarrei. 1894 bzw. 1896 erhielten die beiden Bekenntnisse Filialkirchen am Ort. Zwischen beiden Konfessionen bestand im 19. Jahrhundert ein verhältnismäßiges Gleichgewicht, wobei die Protestanten überwogen. Durch die Heimatvertriebenen stieg der Anteil der Katholiken auf etwa 55 v. H. Immer noch gilt die alte Trennung zwischen dem evangelischen Unterdorf und dem katholischen Oberdorf. Die Schule stand zunächst in Trägerschaft der jeweiligen Kirche. Seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts ist im Oberdorf eine katholische und im Unterdorf eine evangelische Schule nachzuweisen. Für die bald gebildete Simultanschule wurde bis zur Errichtung des Neubaus 1899 das katholische Schulhaus benutzt.

Das Bevölkerungswachstum des 19. Jahrhundert ging durch staatlich geförderte Auswanderungsschübe wieder verloren. Allein 1851 sind 70 Personen auf Staatskosten nach Amerika gegangen. Eine unechte Bevölkerungszunahme brachte der Bahnbau zwischen 1880 und 1882. Seit dem frühen 20. Jahrhundert trat ein Stillstand ein. Der Zuzug der Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg brachte nur eine vorübergehende Änderung. Die Bevölkerung bestand im 19. Jahrhundert aus Kleinbauern und Tagelöhnern. Seit dem Ersten Weltkrieg wurde im Ort selbst Industriearbeit angeboten. 1862 wurden in Friedrichsdorf 9 Landwirte, 6 Gewerbetreibende, 2 Müller, 2 Wirte und 16 Tagelöhner gezählt. Die Lebensverhältnisse der Tagelöhner waren recht schwierig, solange sie auf Waldarbeit und Steinhauerei angewiesen waren. Zur Besserung der Verhältnisse der Tagelöhner wurde 1867 die bis zum Jahr 1914 betriebene Besenbinderei eingeführt. Die zwei Mühlen im Unterdorf gingen schon vor 1914 ein. Eine von ihnen wurde bis 1917, die andere bis 1943 als Sägewerk weiterbetrieben. Aus einem 1917 gegründeten kleinen Sägewerk beim Oberdorf entwickelte sich die Karl Münch KG, die Verpackungsmaterial, Straßenleitpfähle und Bauholz herstellte. Die Zählung von 1963 erfasste drei Handwerksbetriebe mit zusammen 11 Beschäftigten. Das vor dem Zweiten Weltkrieg noch kleinbäuerliche Friedrichsdorf gilt heute als Arbeiterwohngemeinde. Die Auspendler stellten schon in den 60er Jahren knapp die Hälfte der Beschäftigten. Daneben eröffnete der Fremdenverkehr seit 1960 neue Chancen. Eine Ferienhauskolonie über dem Unterdorf wurde 1966 angelegt.

Zum 1. Januar 1973 wurde die selbständige Gemeinde aufgrund freiwilliger Vereinbarung mit der Stadt Eberbach im Rahmen der kommunalen Gebietsreform als erste unter den neuen Stadtteilen in die Stadt Eberbach eingegliedert. Friedrichsdorf hatte zum Zeitpunkt der Eingliederung 336 Einwohner und 555 ha Fläche, davon 395 ha Wald. Das Dorf umfasste 133 Häuser (davon 20 Ferienhäuser), hatte zwei Kirchen, ein Rathaus mit Schule und je eine Friedhofskapelle und ein Feuerwehrhaus. Friedrichsdorf sicherte sich eine Reihe von Separatrechten, darunter eine eigene Vertretung mit Ortsvorsteher bzw. Ortschaftsverfassung mit gewissen autonomen Rechten, besonders aber die Durchführung bestimmter investiver Maßnahmen im bisherigen Gemeindegebiet. Für die Gemeinde waren die Weiterführung von Bebauungsplänen und die Einrichtung von Kindergärten bedeutsam. Friedrichsdorf vereinbarte auch den Ausbau von örtlichen Wegen, den Bau einer Kläranlage und die Durchführung der Ortskanalisation.

Der Heimat- und Verkehrsverein  wurde 1965 gegründet. Im Sport besteht seit 1962 durch die Ittertalspielvereinigung eine Zusammenarbeit mit den hessischen Nachbargemeinden Kailbach und Schöllenbach.

Literaturhinweise

  • Rüdiger Lenz: 25 Jahre Zugehörigkeit zu Eberbach: Die Stadtteile Lindach und Friedrichsdorf (1973-1998), in: Eberbacher Geschichtsblatt 98 (1999), S. 165-167.

    Christa Haas: Die Kirchen von Friedrichsdorf (Teil 1), in: Eberbacher Geschichtsblatt 108 (2009), S. 103-118.

    Christa Haas: Die Kirchen von Friedrichsdorf (Teil 2), in: Eberbacher Geschichtblatt 109 (2010), S. 99-116.

    Christa Haas: Die Ausstattung des Inneren der beiden Kirchen von Friedrichsdorf (Teil 2), in: Eberbacher Geschichtsblatt 110 (2011), S. 137-146.
 

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