Geschichte des Stadtteils Brombach

Dr. Rüdiger Lenz

Das Dorf Brombach wurde vermutlich im 12. Jahrhundert zusammen mit den benachbarten Orten Heddesbach und Langenthal von den Herren von Steinach im Auftrag des Bischofs von Worms angelegt, der die Oberhoheit über die Wälder nördlich des Neckars besaß. Die Sied­lung bestand aus Bauernhöfen (Hufen) mit gemeinsamen Nutzungsrechten am Wald. Der Name des Dorfes lässt sich vom Mittelhochdeutschen brame [= Dornstrauch] ableiten. Er wird erstmals in einer Urkunde von 1273 erwähnt, in der ein gewisser „Cunradus de Brambach“ [= Konrad von Brombach], ein Bürger aus Neckarsteinach, unter den Zeugen auftaucht.

Mit der übergeordneten Gerichtsbarkeit gehörte Brombach ursprünglich zur Zent Neckarsteinach. Die Ortsherrschaft übten zunächst die Herren von Steinach, dann deren Seitenlinie, die Herren von Harfenberg, aus. Sie war später ein Lehen der Hochstifte Worms und Speyer und Zubehör der Hinterburg bzw. der Mittelburg zu Neckarsteinach. Im frühen 14. Jahrhundert erwarben die miteinander verwandten Geschlechter Landschad von Steinach bzw. Herren vom Hirsch­horn das Dorf Brombach. Die Herren vom Hirschhorn besaßen drei Fünftel des Ortes, den Rest die Landschaden von Steinach. Zwischen 1536 und 1632 besaßen die Herren vom Hirschhorn Brombach allein. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1648) belehnten Worms und Speyer die Herren von Metternich-Burscheid und seit 1700 die Metternich-Müllenark mit der Herrschaft Neckarsteinach, wozu auch Brombach gehörte. Ansprüche der Kurpfalz auf die Herrschaft Neckarsteinach scheiterten. 1760 verzichtete Worms zugunsten von Speyer auf seine Rechte in Brombach, die Zugehörigkeit des Dorfes zum Reichsritterkanton Odenwald blieb davon unberührt. 1802/03 wurde das Dorf badisch und liegt seitdem wegen einer mehr oder weniger willkürlich gezogenen Grenze an einem der äußersten Zipfel des heutigen Bundeslands Baden-Württemberg. Brombach gehörte seit 1807 zum Amt Heidelberg; nur zwischen 1921 und 1924 zählte Brombach zum Amtsbezirk Eberbach.

Erst bei der Aufteilung der Herrschaft Harfenberg kam Brombach zu einer eigenen Gemarkung, doch waren wegen der Weiderechte noch lange Zeit die Grenzen mit benachbarten Gemeinden strittig. Die Bevölkerung lebte jahrhundertelang von Ackerbau und Viehzucht. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte Brombach auffallend viele Tagelöhner. Neben den Bauern lassen sich die ortstypischen Handwerksberufe belegen. Die Aufteilung des Waldes unter die berechtigten Bürger 1824 führte zur intensiven Nutzung als Schälwald, die Änderung der Gerbmethoden im frühen 20. Jahrhundert steigerte die ohnehin vorhandene Unrentabilität. Die Zahl industriell beschäftigter Auspendler wuchs seit 1948 an. Heute gilt Brombach als sog. Arbeiterwohngemeinde.

Die Brombacher Kirche, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde, war eine Filiale von Heddesbach und der Heiligen Maria Magdalena geweiht. Die Landschaden von Steinach führten als Patronatsherren das lutherische Bekenntnis in Brombach ein. Vertreter der Herrschaft im Dorf waren Schultheiß und Ortsgericht. Erst seit dem 19. Jahrhundert besaß Brombach mit Bürgermeister und Gemeinderat eigene, autonome Organe. Die Bevölkerung wuchs bis in das 19. Jahrhundert hinein stetig. Danach erfolgte ein ununterbrochener Rückgang, der erst durch die Zuweisung von Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg abgebremst wurde.

Im Rahmen der kommunalen Gebietsreform kam Brombach im Jahr 1975 zur Stadt Eberbach. Vor der Eingemeindung hatte es mit Eberbach keine aus der Geschichte legitimierten Berührungspunkte oder rechtlichen Bindungen gegeben, und die drei Jahre Zugehörigkeit Brombachs zum Bezirksamt Eberbach endeten bereits 1924, als das Amt im Rahmen einer Verwaltungsreform aufgehoben wurde. Die Verbindungslinien des Dorfes, das keine gemeinsame Gemarkungsgrenze mit Eberbach besitzt, liefen naturgegeben in das hessische Hirschhorn. Brombach umfasste im Jahr 1975  1096 ha Fläche und zählte 345 Einwohner mit 125 Häusern und 60 Ställen. Noch war die Viehhaltung recht ansehnlich. Der neue Eberbacher Stadtteil besaß Schule, Rathaus, Kirche, Feuerwehrhaus und Friedhof mit Kapelle. Das Wappen des früheren Gerichtssiegels, die Speyrer Bistumspatronin Maria, erinnert an die Geschichte des heutigen Eberbacher Stadtteils Brombach.

Literaturhinweise:

  • Kurt Machhold: Die Hofzeichen von Brombach, hg. von der Stadt Eberbach, Brombach 1990.
  • Rüdiger Lenz: 725 Jahre Brombach (1273-1998), in: Eberbacher Geschichtsblatt 98 (1999), S. 11-20.
  • Rüdiger Lenz: Entwicklung der Stadtteile Brombach und Rockenau seit der Eingemeindung (1975-2000), in: Eberbacher Geschichtsblatt 100 (2001), S. 82-87.
 

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