Geschichte der Stadt Eberbach

Dr. Rüdiger Lenz:

Landschaftliche und naturräumliche Gegebenheiten

Die Stadt Eberbach, an einem weit nach Norden ausholenden Neckarbogen gelegen, besitzt eine fast 8.200 ha große Ge­markungsfläche und gehört zum Rhein-Neckar-Kreis. In urgeschichtlicher Zeit hat der Neckar im Verlauf der Odenwaldtektonik mehrere Male sein Bett geändert, was auf der Gemarkung Eberbach zur Entstehung von vier Um­laufbergen geführt hat. Von diesen ist das Breitensteingebiet um den 318 m hohen Schollerbuc­kel landschaftlich von besonderem Reiz, und es fällt einem schwer, sich vorzustellen, dass vor 1,5 Millionen Jahren der Neckar hier einmal vor­beigeflossen sein soll - etwa 130 m oberhalb seines heutigen Flussniveaus. Die Talflanken links des Neckars steigen von 120 m NN entlang des Hebart-Rückens bis auf  516 m NN an, und die rechts des Flusses gelegenen Talflanken erreichen auf der Hohen Warte 551 m NN. Sie setzen sich bis zur höchsten Erhebung des Odenwaldes, dem unmittelbar benachbarten, 626 m hohen Katzenbuckel, fort. Ackerbaulich gut geeignete Flächen in Eberbach beschränken sich auf das Schwemmland der Auen in den Talweitun­gen des Neckars und auf die begrenzten Hochflächen südlich des Stadtteils Unterdielbach, wo sich etwas Lösslehm abgesetzt hat. Ansonsten lagert dem Gestein nur eine dünne Bodenschicht auf, die nach wie vor mit Wald bedeckt ist. Mit seinem Waldanteil von beinahe 80 % der Gemarkungsfläche gehört Eberbach zu den waldreichsten Gemeinden in Baden-Württemberg. Der Wald besitzt als großräumiges Ökosystem mit vielfältigen Funktionen eine große Bedeutung, daneben wird er als Wirtschaftsgut (Holzgewinnung) genutzt. Eberbach profitiert noch in einer anderen Weise von seinen Wäldern: Die Stadt verfügt über eigene Trinkwasserquellen, aus denen Wasser bester Güte sprudelt.


Stadtgründung und Burgenbau

Die wohl vor der Jahrtausendwende angelegte, bisher nur mit Indizien erschlossene ältere Siedlung Eberbach, die auf einem hochwasserfreien Hügel lag, befand sich am Schnittpunkt verschiedener herrschaftsgeschichtlicher Einflusslinien und markierte die Grenze zwischen den Bistümern Worms und Würzburg. Sie gehörte im 11. und 12. Jahrhundert zum Gebiet des Bischofs von Worms. Dieser ließ seinen an der Diözesangrenze zu Würzburg gelegenen Stützpunkt Eberbach durch Lehnsmänner herrschaftlich sichern. Auf einem langgestreckten Sporn, der sog. Burghälde, einem Ausläufer des Katzenbuckelmassivs, entstand die ältere der drei Eberbacher Burgen, die sog. Vorderburg, die 1196 der Wormser Lehnsmann Graf Konrad von Eberbach, ein Angehöriger des Geschlechts der Grafen von Lauffen, innehatte. Mit der im frühen 13. Jahrhundert auf politischen Druck der römisch-deutschen Könige aus dem Geschlecht der Staufer erfolgten Übergabe des Gebiets am unteren Neckar erhielt die Siedlung Eberbach eine bedeutende Aufwertung. Die bisher wormsischen Herrschaftsrechte besaßen nun die Staufer. 1227 erhielt König Heinrich [VII.], der Sohn Kaiser Friedrichs II., die bereits umgebaute [wormsische] Burg Eberbach als Lehen. Gezielt wurden unter König Heinrich [VII.] bei älteren Siedlungen Städte gegründet oder angelegt. Am unteren Neckar entstanden auf diese Weise neben Eberbach noch Neckargemünd und Mosbach. 1231 stellte König Heinrich apud Eberbach, vermutlich im heutigen Eberbach, eine Urkunde aus. Er gilt als Gründer der Stadt, die an verkehrsgünstiger Lage als Handelsplatz zwischen Neckar und Odenwald planmäßig errichtet wurde. Innerhalb der Stadt besaß er einen herrschaftlichen Hof mit umfangreichem Zubehör in der Gemarkung. Mit dem heute sog. Bettendorff´schen Tor verfügte er über einen separaten Eingang in die Stadt.

Eberbach leitet sein Stadtjubiläum von der Ersterwähnung der ältesten Eberbacher Burg 1227 her. Durch zeitweisen Erlass der fälligen Steuern, die zum Bau der Stadtmauer verwendet werden durften, förderte die Reichsverwaltung die werdende Stadt. Eberbach wird erstmals in einem Steuerverzeichnis, das um 1241 entstand, als werdende Reichsstadt erwähnt und umschloss ein rechteckiges Areal mit einer Längsseite am Flussufer sowie Türmen an den Ecken und bei den Zugängen. Die Ummauerung der Stadt geht in das 13. Jahrhundert zurück und wurde später vielfach ausgebessert, in den Fundamenten aber nicht verändert. Während die Tortürme im 19. Jahrhundert niedergelegt wurden, blieben vier Ecktürme erhalten; sie prägen noch heute das Bild der romantisch wirkenden Altstadt. Der Ostrand der Stadtmauer überstand ebenfalls alle Stürme der Zeit. We­gen der gleichen Bauweise, den verwendeten Quadersteinen, dürften der Rosenturm, der in der südöstlichen Ecke der Altstadt auf kreisrunder Fläche steht, zusammen mit den Fundamenten der Stadtmauer entstanden sein. Von den übrigen Ecktürmen reicht allenfalls der Unterbau des Blauen Huts und des Haspelturms noch in die Gründungszeit der Stadt zurück, der Pulverturm mit seinen beiden kurzwinkligen Schildmauern weist jedoch auf eine jüngere Entstehungszeit. Die beiden Hauptachsen der Stadt, die heutige Hauptstraße und die Kellereistraße, ehemals vor dem Ausgang aus der Stadt mit Untertor-, Obertor- und Neckarturm abgesichert, kreuzen sich am peripher versetzten Schnittpunkt Alter Markt. Ursprünglich bildete der Markt nicht das bürgerliche Zentrum der Stadt, stand doch das ältere, erstmals 1442 belegte Rathaus beim oberen Tor. Erst im späten 15. Jahrhundert leitete der Bau eines eindrucksvollen Rathauses aus Fachwerk, das auf einem wuchtigen Steinsockel stand und mehrere zweckbestimmte Räume hatte, eine funktionale Aufwertung des Marktplatzes ein. Die Händler konnten nun ihre Verkaufsstände (Hausverkauf war [noch] nicht erlaubt!) unter den Arkaden des Rathauses aufbauen. Ein weiteres Marktprivileg, das Pfalzgraf Otto II. im April 1484 verlieh, diente der Schuldentilgung für das neue Rathaus, unterstreicht aber gleichzeitig die Hoffnungen und Erwartungen, die man daran knüpfte. Vielleicht hing damit auch die Errichtung eines Neckarkrans, der nur einmal, 1499, erwähnt wird, zusammen. Das neue Rathaus begleitete über Jahrhunderte hinweg das Leben der Bürger und machte erst 1823 einem Nachfolger, dem heutigen Stadtmuseum, Platz. Die ältere Pfarrkirche mit dem Patrozinium St. Johannes blieb außerhalb der Stadtmauern (bei der heutigen katholischen Kirche). In ihr befanden sich mehrere Altäre, darunter ein Heilig-Kreuzaltar und ein Michaelsaltar. Außerdem gehörte eine Frühmesse zur ältesten Stadtkirche. Erst im frühen 15. Jahrhundert (seit 1426) wurde eine weitere Kirche, die sog. Marienkirche oder Liebfrauenkapelle, erbaut, die nun innerhalb der Stadtmauern, beim oberen Tor, stand (in der Nähe der heutigen evangelischen Stadtkirche St. Michael). Vermutlich ging auf diese Kirche die Funktion der älteren Pfarrkirche über. Die bisherige Kirche wurde aber wegen Platzmangels in der Altstadt als Friedhofskirche weiter genutzt. Zur Pfarrei zählten die städtischen Weiler Rockenau, [Neckar-] Wimmersbach, Pleutersbach und [Badisch-] Igelsbach.

Der mittelalterliche Mauerring war schon im ausgehenden 14. Jahrhundert ansatzweise durchbrochen: Im Jahr 1382 ist erstmals ein Haus außerhalb der Stadtmauern bezeugt, das am Fluss lag und dem Heilig-Kreuz-Altar gestiftet wurde. Im 15. Jahrhundert hatte die Stadt die Stadtmauer schon deutlich übersprungen – in Richtung des heutigen Neuen Marktes, wo das sog. Dörfel, die ältere Siedlung, vermutet wird. So sind Häuser vor dem Bronnentore [= ehem. Brunnen vor dem heutigen Rosenturm] und am Kirchweg bezeugt. Mehrere Mühlen lagen ebenfalls außerhalb der Stadtmauer, so vor dem unteren Tor, wo sich auch die seit 1438 als Loheheuser bezeugten Gerbereien befanden. Wegen Platzmangel begannen die Bürger, ihre Häuser über den Wehrgang hinweg auf die Stadtmauer zu setzen. Überkragende, d.h. in den Straßenraum hineinreichende Erweiterungen der Wohnfläche kamen schon vor, wurden aber noch bestraft. Seit dem frühen 17. Jahrhundert bildete sich bereits unmittelbar vor dem oberen Tor mit dem dreieckförmigen „Neuen Markt“ ein weiterer Schwerpunkt; ursprünglich hatte sich dort ein herrschaftlicher Grasgarten, der Weyergarten, befunden. Mit dem Neuen Markt wurde die bauliche Lücke zur Vorstadtsiedlung wohl geschlossen. Endgültig verlor die Stadtmauer ihre begrenzende Bedeutung allerdings erst im 19. Jahrhundert.

Das Bild der Altstadt weist einige bemerkenswerte Gebäude aus dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit auf, so der Bereich des ehemaligen königlichen Hofes (Bettendorff´sches bzw. Wecker´sches Haus), das Krafft´sche Haus und das seit 1427 belegte Thalheim´sche Haus am westlichen Ende der Kellereistraße sowie der Rest eines Bruchsteingiebels in der Binnetzgasse. Parallel zur Gründung der Stadt bauten staufische Dienstleute  - vermutlich gegen den Willen des Bischofs - auf der Burghälde zwei weitere Burganlagen, die durch Einschnitte in den Felsen voneinander getrennt sind. Von ihnen steht die jüngere Mittelburg in auffälliger Frontstellung gegen die ältere wormsische Vorderburg, die nach einem Brand umgebaut wurde. Die Mittelburg dürfte im frühen 13. Jahrhundert entstanden sein, dagegen ist die sich anschließende Hinterburg baugeschichtlich schwer bestimmbar. Bereits 1403 ließen die Herren vom Hirschhorn, damals Pfandherren Eberbachs, die Burganlagen schleifen, diese wurden aber im frühen 20. Jahrhundert ausgegraben, rekonstruiert und teilweise wiederaufgebaut. Eine weitere Befestigungsanlage wird auf dem Ohrsberg vermutet.


Herrschaftsgeschichte des Mittelalters

Nach dem Niedergang der Staufer, Mitte des 13. Jahrhunderts, wurde Eberbach als eine Stadt des Reiches von den Königen verpfändet – an Angehörige aufstrebender Adelsfamilien, die aus nördlicher, aus südlicher oder aus westlicher Richtung in den Eberbacher Raum eindrangen. Seit 1297 waren die aus dem heutigen Hessen stammenden Grafen von Katzenelnbogen Stadtherren. Im frühen 14. Jahrhundert übernahmen ihre Erben, die Herren von Weinsberg, diese Position. Aus deren Händen gingen Stadt und Zent Eberbach 1330 als Reichspfand an die rheinischen Pfalzgrafen, die aus ihrem Heidelberger Kernraum in östlicher Richtung entlang des Neckars vorrückten. Die Stadt und ihr Umland gehörten bis 1803 zur Kurpfalz. Nur zwischen 1410 und 1499 war Eberbach im Besitz einer pfälzischen Nebenlinie, die in Mosbach residierte. Die Kurpfalz versetzte Eberbach seit dem 14. Jahrhundert verschiedentlich an kleinere, niederadlige Geschlechter der näheren Umgebung, so an die Herren von Erligheim oder Hirschhorn. Beide Geschlechter waren in der Umgebung begütert. Niederadlige bekleideten zunächst alle herrschaftlichen Führungspositionen in der Stadt. Zu diesem Kreis zählten auch die benachbarten Herren von Zwingenberg, die in Eberbach einen Wohnsitz hatten und hier begütert waren.


Stadtverfassung und Zentralität

Nach dem staufischen Niedergang dürften sich in Eberbach  – wie in anderen Städten auch –   autonome kommunale Organe herausgebildet haben. Im frühen 14. Jahrhundert werden die städtischen Organe definitiv bezeugt, denn die Existenz eines Stadtsiegels ist seit 1305 belegt. Ursprünglich besaß die Stadt vier Bürgermeister. Soziale Spannungen zwischen den bisher führenden bürgerlichen Schichten und nachdrängenden Zünften veranlassten vermutlich den Pfalzgrafen 1361, die Zahl der Bürgermeister auf zwei Amtsinhaber zu verkürzen, den Rats- und den Gemeindebürgermeister. Ihre Ämter wurden nach jeweils einjähriger Amtszeit anscheinend von und aus einem Kreis „ratsfähiger“ Geschlechter mit Billigung des Stadtherrn bestimmt. Im Rat saß schon  im 15. Jahrhundert ein breiter Durchschnitt der Mittelschicht, Gastwirte, Kaufleute und Handwerker, ja selbst städtische Bedienstete wie etwa der Stadtschreiber. Nicht im Rat vertreten waren Ortsarme sowie Landwirte oder Ackerbürger, die es in Städten noch ursprünglich gab. Der Rat, der sich aus 12 Personen zusammensetzte, bildete gleichzeitig das Stadtgericht. Diese Form der Kollegialverfassung blieb bis in das frühe 19. Jahrhundert gültig. Die Stadt Eberbach mit ihrer direkten Lage am Neckar und den nutzbaren rohstoffreichen Wäldern der Umgebung hatte bestimmte Privilegien, vornehmlich Marktrechte, die seit 1328 belegt sind. Die älteren Eberbacher Urkunden und Privilegien sind nach Bekundungen der Bürger um 1340 verbrannt. Kaiser Ludwig der Bayer schenkte ihren Klagen Glauben und erneuerte 1346 die Stadtrechte nach Wimpfener Vorbild. Ob sie einen Bruch mit den seit 1328 belegten älteren Privilegien der Stadt bedeuteten, ist eine offene, noch ungeklärte Frage. Jedenfalls trat seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts schrittweise das sog. Wimpfener Recht an ihre Stelle, dass durch die Bemühungen und Anfragen der Eberbacher Organe beim Rat der Stadt Wimpfen mehrmals präzisiert wurde. Herrschaftliches Organ des Stadtherrn war der Schultheiß, ursprünglich ein Adliger, der bestimmte hoheitliche Funktionen ausübte. Noch im frühen 15. Jahrhundert hatten Adlige das Schultheißenamt inne. Doch schon kurz darauf besetzten Bürgerliche das Amt, das im 16. Jahrhundert zeitweise, seit dem Dreißigjährigen Krieg ständig mit dem Amt des Kellers, eines örtlichen pfälzischen Beamten, in Personalunion verbunden war.

Eberbach war Mittelpunkt einer seit 1360 bezeugten Zent, die sich vom Neckar bis in den Winterhauch erstreckte. Zu dieser gehörten neben der Stadt verschiedene Dörfer der näheren Umgebung, die einen gemeinsamen Hochgerichtsbezirk bildeten. Die Eberbacher Ratsherren waren als Mitglieder des Stadtgerichts gleichzeitig Zentschöffen. Nach der pfälzischen Inbesitznahme wird in Eberbach seit der Mitte des 14. Jahrhunderts ein herrschaftliches Amt erwähnt. An seiner Spitze stand ursprünglich ausschließlich ein Adliger, der meist von den hier begüterten niederadligen Geschlechtern gestellt wurde. Die Unterstellung des Amtes unter das übergeordnete [Ober-] Amt Mosbach wurde von den Pfalzgrafen der Mosbacher Nebenlinie veranlasst. Die nunmehrige Kellerei [= Domänenverwaltung mit eingeschränkten hoheitlichen Befugnissen] führte seit etwa 1430 ein Keller, der im Thalheim´schen Haus residierte. Der heutige Name der „Kellereistraße“ erinnert an diesen Amtssitz. Der Amtsinhaber der Kellerei bekleidete seit dem Dreißigjährigen Krieg zugleich auch die Stelle des Zentgrafen der Eberbacher Zent. Schon im 16. Jahrhundert nahm er zeitweise die Funktionen des Stadtschultheißen in Personalunion wahr. Zum Landbesitz der Stadt zählten die zur gleichnamigen Zent und Kellerei gehörigen Dörfer Rockenau, Neckarwimmersbach, Pleutersbach und [Badisch-] Igelsbach. Diese Dörfer, die – mit Ausnahme von Igelsbach – im frühen 19. Jahrhundert ihre kommunale Selbständigkeit von Eberbach erreichten, wurden wie Neckarwimmersbach, Igelsbach und Gaimühle im Zuge von Eingemeindungen Stadtteile von Eberbach, wozu im Rahmen der Kommunalreformen der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts noch Friedrichsdorf (mit Badisch-Schöllenbach), Lindach und Brombach kamen. 


Bürgerliche Selbstverwaltung und Demokratisierung, Stadtentwicklung

Durch den Reichsdeputationshauptschluss kam Eberbach 1803 zum Territorium der mit rechtsrheinischem Gebiet entschädigten Fürsten zu Leiningen. Zeitgleich mit der durch französischen Druck verursachten Auflösung des alten [römisch-] deutschen Reiches fiel die Souveränität über das leiningische Gebiet 1806 an das damalige Großherzogtum Baden. Nicht durch revolutionäre Umstürze, sondern durch staatlich verordnete Reformen wurden in Deutschland fortschrittliche Tendenzen verwirklicht. Im Rahmen des badischen Staates profitierte Eberbach von der antifeudalen, zunächst aber nur beschränkt liberalen Gesetzgebung, die zum Abbau althergebrachter Lasten und zum Ausbau moderner autonomer Selbstverwaltungsstrukturen führte. Die erste badische Gemeindeordnung von 1831 markierte den Wendepunkt. Nicht umsonst sympathisierten und unterstützten führende Kreise um den Weinhändler Theodor Frey, der aus der linksrheinischen  - von revolutionären Ideen Frankreichs beeinflussten -  Pfalz stammte, die Forderungen des gemäßigten Flügels der Revolution von 1848/49, ging es doch darum, neben der Herstellung der nationalen Einheit Deutschlands auch die wirtschaftlichen Nachteile aus der Grenzlage Eberbachs zu beseitigen. In Gegensatz zu Frey standen radikal-revolutionäre Gruppierungen um den Schmied Hiob Daniel Backfisch, die sich allerdings mit ihren Vorstellungen nicht durchsetzen konnten. Theodor Frey gilt auch als Initiator des Deutschen Handelstages. Er verkörperte im lokalen Bereich den Typus jener Schicht, die auf wirtschaftlicher Ebene im Bismarck – Reich zu den inneren Gründern des modernen deutschen Nationalstaates zählte. Frey erhielt 1894 das Ehrenbürgerrecht der Stadt.

Seit der Reichsgründung (1871) nahm Eberbach an der allgemeinen deutschen Entwicklung des 19. und 20. Jahrhunderts teil. Tonangebende Schicht waren die örtlichen Nationalliberalen, die allerdings seit 1890 nur mühsam den Aufstieg der Sozialdemokratischen Partei zur stärksten Partei auf örtlicher Ebene kanalisieren konnten. Unter Bürgermeister Dr. John Gustav Weiss erhielt die Stadt ein modernes Gesicht, neue Industrien und weitere Stadtbezirke entstanden an der Peripherie. Die militärische Niederlage des Kaiserreiches am Ende des Ersten Weltkriegs führte zur parteipolitischen Zersplitterung der lange dominierenden Nationalliberalen, die nun in anderen Gruppierungen aufgingen. Schon in der Weimarer Republik errang die NSDAP, die Eberbach zu ihren Hochburgen rechnete, eine starke Position. Die Verfolgung durch das NS-Regime führte zur Zerschlagung der jüdischen Gemeinschaft in Eberbach bzw. zur Deportation nach Gurs in Frankreich. Am Ende des Zweiten Weltkriegs, im März 1945, erlitten Teile der Altstadt schwere Schäden durch Luftangriffe. Die 1901 erbaute Neckarbrücke wurde von abziehenden SS-Einheiten aus militärtaktischen Gründen gesprengt, aber schon ein Jahr nach Kriegsende durch Heben ihrer Trägerglieder wieder hergestellt. Die unter demokratischen Staaten praktizierte Völkerverständigung führte zur Vereinbarung kommunaler Partnerschaften. Seit 1961 pflegt die Stadt freundschaftliche Bande mit der französischen Stadt Thonon-les-Bains (am Genfer See) und seit 1976 mit der amerikanischen Gemeinde Ephrata, deren Entstehung auf den Eberbacher Auswanderer Johann Konrad Beisel zurückzuführen ist.


Wirtschaftliche und soziale Strukturen der Bevölkerung, Kulturelles Leben

Wald und Fluss waren über Jahrhunderte hinweg die eigentlichen Lebensgrundlagen der Stadt gewesen, wobei die zerstörerische Kraft des Neckars, vor allem die Hochwasser, das Leben der Menschen nicht minder prägte. In Ermangelung geeigneter ackerbaulich nutzbarer Flächen diente der Wald über die Waldweide und die Hackwaldwirtschaft auch der Deckung des elementaren Lebensmittelbedarfes. Die Anfänge des Holzhandels lassen sich in den Chroniken bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Als Erwerbszweige sind neben dem Holzhandel vor allem die Flößerei sowie Schifffahrt und Schiffbau, in Zünften organisiert, zu nennen. Die große Bruderschaft, von Brudermeister[n] geführt, ist seit 1473 bezeugt. Später waren die Zünfte innerhalb des Oberamtes Mosbach organisiert. Aus den Flößern und Fischern entstanden als wichtige Eberbacher Erwerbszweige die Schiffer und Schiffbauer. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde Eberbach zum Zentrum des Schiffbaues am Neckar, wo selbst Rheinkähne mit Nutzlasten von bis zu 250 t vom Stapel liefen. Auf dem Höhepunkt des Eberbacher Holzschiffbaues bestanden zu gleicher Zeit mehrere Werften. Gegen den später aufkommenden Bau von Schiffen mit Eisenrümpfen war man dann allerdings nicht mehr konkurrenzfähig. Heute wird die Schiffsbauertradition am Ort immer noch hochgehalten von einem geflüchteten Betrieb aus Königsberg/Ostpreußen, der Rennruderboote baut. Eberbacher Bau- und vor allem Brennholz wurde über den Neckar bis in den Rhein hinabgeflößt. Wirtschaftliche Bedeutung gewannen die Erzeugnisse der Niederwald­bewirtschaftung wie Gerberrinde - und für Eberbach in besonderer Weise charakteristisch - Haselstangen für das Reifschneiderhandwerk, einem Erwerbszweig, der in Baden nur aus dem hiesigen Raum bekannt war. Mit geographischen und topographischen Standortnachteilen hatte die Stadt schon immer zu kämpfen. Eine echte Oberschicht ist in Eberbach nur ansatzweise erkennbar, das Phänomen der Massenauswanderung zur Mitte des 19. Jahrhunderts erleichterte nur bedingt die Situation der verarmten Unterschicht. Für eine frühe Industrieansiedlung waren die infrastrukturellen Voraussetzungen ungünstig. Die erste Industrialisierungswelle setzte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein. Zu ihnen zählten Zigarren- und Zündholzfabriken, Rosshaarspinnereien oder verarbeitende Holz-, Eisen- und Metallwarenindustrien. Die Zünfte verschwanden, die Gewerbefreiheit löste alte Schranken auf, und die bisher vorherrschenden Schiffer verloren nun endgültig ihre dominierende Stellung. Die Inbetriebnahme der Neckartal-Eisenbahn (1879) und die Kanalisierung des Neckars in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts  brachten für Eberbach neuen Auftrieb. Nach dem Ersten Weltkrieg siedelten sich Industriebetriebe in den Seitentälern, im Gammelsbach- und im Ittertal, an, vornehmlich der chemischen, pharmazeutischen und der elektrotechnischen Branche. Das Traditionsgewerbe der Steinhauer und der Neckartäler Hartsandstein haben als Wirt­schaftsfaktor ihre Bedeutung eingebüßt. Auf dem Höhepunkt der Steinhauerei zählte man auf der Gemarkung 14 Betriebe, als der Sandstein in der chemischen Industrie guten Absatz fand. Der mit Abstand größte hiesige Arbeitgeber ist heute die auf dem Weltmarkt führende Unternehmensgruppe Gelita AG (ehemals: DGF Stoess), die in Eberbach ihre Firmenzentrale hat und als Produkte hochwertige Speise-, Pharma- und Fotogelatine anbietet. Weitere Eberbacher Unternehmen zählen zur elektrotechnischen und metallverarbeitenden Branche, zum Baugewerbe, zum Maschinenbau und zur Möbelbranche, einige von ihnen sind Firmen mit schon traditionell langjähriger Bindung an die Stadt. Auch das örtliche Kreiskrankenhaus gehört zu den größeren Arbeitgebern. Eberbach bietet bei einer Bevölkerung von knapp 15.000 Einwohnern derzeit ca. 6500 Arbeitsplätze.

Die Stadt ist im Landesentwicklungsplan als Mittelzentrum ausgewiesen, das sich in Verbindung mit Handel, Dienstleistern und in seiner Funktion als regionaler Schulstandort und als Dienstsitz mehrerer staatlicher Behörden in Konkurrenz zu den Oberzentren Mannheim und Heidelberg als attraktive Einkaufs- und Erlebnisstadt präsentiert. Großen Anteil daran hat eine sehr rührige Werbegemeinschaft der örtlichen Geschäftswelt. Mit ansehnlichen jährlichen Übernachtungszahlen hat sich der Fremdenverkehr als ein weiteres tragfähiges wirtschaftliches Standbein herauskristallisiert. Auf Tourismus und Einzelhandel wirkte sich die Altstadtsanierung förderlich aus, die seit Anfang der Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts mit Unterstützung staatlicher Förderprogramme läuft. Mit erheblichen Zuwendungen des Landes wurde der historische Stadtkern restauriert und präsentiert sich heute den Besuchern und Bürgern als Fußgängerzone mit vielen malerischen Winkeln, Mauern und Gassen, die zum Einkaufsbummel und zum gemütlichen Kaffeeplausch einladen. In den letzten Jahren hat sich südlich der Altstadt mit dem Bau eines modernen Rathauses in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadthalle und zum evangelische Gemeindezentrum eine neue Stadtmitte entwickelt. An der hohen Attraktivität für den Fremdenverkehr haben die in Zusammen­arbeit mit dem Naturpark "Neckartal-Odenwald", dessen Sitz sich in Eberbach befindet, angelegten Erholungseinrichtungen und Waldwander­wege wesentlichen Anteil, ebenso mehrere Museen, die sich z.T. in privater Trägerschaft befinden. Ein wichtiger Pfeiler des städtischen Kulturlebens sind die etwa 100 Eberbacher Vereine, von denen einige schon Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sind oder ihre Ursprünge aus spätmittelalterlichen Organisationsformen herleiten. Ein traditioneller Höhepunkt im Jahreslauf ist und bleibt der regional bekannte sog. Kuckucksmarkt, der an ein altes Marktrecht anknüpft.


 

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