Artenschutz vor Ort
Neue Kinderstuben für die Gelbbauchunke
In diesen Tagen sind zwei ungewöhnliche "Kinderstuben" entstanden. Auf den ersten Blick wirken die flachen Edelstahlwannen unscheinbar – für die seltene Gelbbauchunke können sie jedoch den Unterschied zwischen Überleben und Verschwinden bedeuten.
Der kleine Froschlurch mit seinem leuchtend gelb-schwarz gefleckten Bauch gehört zu den am stärksten bedrohten Arten in Baden-Württemberg. Einst war sie an vielen Stellen zu finden, heute gibt es nur noch wenige Vorkommen. Der Verlust geeigneter Laichgewässer, schwindende Lebensräume, fehlende Insektennahrung und Krankheiten (Froschpest) setzen ihm zu.
Umso wichtiger sind gezielte Schutzmaßnahmen. Die Gelbbauchunke bevorzugt flache, sonnige Kleingewässer, die sich rasch erwärmen und oft nur für kurze Zeit Wasser führen. Wo solche temporären Tümpel fehlen, haben sich z.B. Edelstahlwannen als ideale Ersatz-Laichgewässer bewährt. Sie lassen sich gut einbauen, trocknen nicht so schnell aus und können jedes Frühjahr neu befüllt werden. Das winterliche Trockenfallen erschwert Fressfeinden wie Libellen- oder Käferlarven die Besiedelung. Kokosmatten als Ausstiegshilfe, Äste und Steine als Verstecke sowie ein Schutzgitter gegen Waschbären, Enten und andere Räuber machen die künstlichen Gewässer zu sicheren Kinderstuben.
Der Landschaftserhaltungsverband Rhein-Neckar (LEV) hat der Stadt Eberbach bereits in den vergangenen Jahren mehrere dieser Laichwannen zur Verfügung gestellt. Nun wurden zwei weitere installiert. Möglich macht dies die enge Zusammenarbeit von Stadt Eberbach, NABU und LEV. Während die Stadt geeignete Standorte auswählt und den Einbau übernimmt, kümmern sich ehrenamtliche Naturschützer um Pflege, Kontrolle und die Erfassung der Tiere.
„Jede einzelne Gelbbauchunke zählt. Gerade kleine, gezielte Maßnahmen wie diese können dazu beitragen, eine Population dauerhaft zu erhalten und ihr wieder bessere Entwicklungschancen zu geben“, betont Andrea Bernecker vom LEV Rhein-Neckar. „Besonders freut uns, dass hier Verwaltung, Ehrenamt und Naturschutz so eng zusammenarbeiten. Genau solche Partnerschaften braucht der Artenschutz.“
Auch Eberbachs Bürgermeister Peter Reichert sieht in dem Projekt ein wichtiges Signal: „Wir sind stolz, dass es die Gelbbauchunke in Eberbach noch gibt. Der Schutz unserer heimischen Tier- und Pflanzenwelt beginnt direkt vor unserer Haustür. Mit den neuen Laichgewässern leisten wir einen konkreten Beitrag zum Erhalt einer stark bedrohten Art. Mein Dank gilt allen Beteiligten, die sich mit großem Engagement für die Gelbbauchunke einsetzen.“
Nun hoffen die Naturschützer, dass die neuen Gewässer schon bald von den ersten Unken angenommen werden. Gleichzeitig appellieren sie an Spaziergänger und Hundebesitzer, Kleingewässer grundsätzlich nicht zu stören und Hunde von den Laichplätzen fernzuhalten. So können die kleinen Amphibien in ihren neuen Kinderstuben ungestört für Nachwuchs sorgen.



