Sonderausstellung "LICHT"

Lampen von der Antike bis zur Neuzeit

Am Anfang war das Feuer - erst seine Beherrschung machte das Licht für den Menschen verfügbar.

(Begleitheft zur Ausstellung)

 

Öffnungszeiten: Dienstag + Freitag von 15:00 - 17:00 Uhr

Samstag + Sonntag von 14:00 - 17:00 Uhr

und nach telefonischer Vereinbarung: 06271 - 1664

 

Dr. Andreas Hensen aus Heidelberg, der durch seine Forschungen zum römischen Gräberfeld in Heidelberg und zum römischen Mithraskult in unserer Region bekannt geworden ist, wird in einem einführenden kurzen Vortrag zur Eröffnung der Eberbacher Ausstellung - ausgehend von den Heidelberger Lampenfunden - über eine antike Ölkrise im Römischen Reich sprechen.

Bei dieser kleinen Ausstellung geht es aber nicht allein um römische Lampen. Vielmehr wird in einer exemplarischen Auswahl das weite Spektrum der Beleuchtungsgerätschaften und Lichterzeugungstechnik von der Antike bis ins 19. Jahrhundert hinein dargestellt. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als mit Mineralöl und dann Strom, ganz neue effiziente Energiequellen erschlossen wurden, endet die Übersicht. Dabei wurde nach lokaltypischen Ausstellungsobjekten gesucht, nicht nur aus der Kurpfalz, aber möglichst aus dem deutschen Südwesten. Manchmal ist aber selbst bei alten Museumsbeständen - wie denen aus den kurfürstlichen Sammlungen im Mannheimer Schloß - Herkunft oder Fundort einfach nicht mehr sicher festzustellen. ewiges Licht

In der Kurpfälzer Residenzstadt hatte man damals, zur Zeit des Kurfürsten Carl Theodor, nicht nur Spaß an der Erforschung der Ursprünge technischer Erfindungen, zu denen auch frühe Fundstücke von Lampen und Leuchtern gehörten. Zur Förderung von Handel und Industrie ließ der Kurfürst hier, im Zeitalter der Aufklärung, auch gezielt wissenschaftliche und technische Experimente, etwa zur Energieeinsparung, anstellen. So gab es hier bedeutende Beiträge zur der künstlichen Beleuchtung. Der amerikanischen Armeereformer des Kurfürsten Carl Theodor Benjamin Thompson, besser bekannt als Graf Rumford, führte in Mannheim bahnbrechende physikalischen Experimente durch. Er etablierte ein erstes Meßverfahren für Lichtstärken. Eine seiner Erfindungen steigerte die Strahlkraft der modernen Argand-Öllampe um ein Vielfaches.

Die Eberbacher Ausstellung ist nicht chronologisch aufgebaut, sondern betrachtet das Phänomen “künstliches Licht” unter thematischen Aspekten. Es geht um die verschiedenen im Laufe der Zeit nebeneinander und im Wechsel verwendeten Brennstoffe und Zündungsmethoden. Ein einfaches Herstellungsverfahren wird am Beispiel römischer Tonlampen vor Augen geführt und dabei gezeigt, daß viele Detailfragen auch bei diesem an sich doch vielfältig und gut bekannten Forschungsobjekt in Wirklichkeit noch gar nicht geklärt sind.

Auch das weite soziale Spektrum der Lampennutzer soll angedeutet werden, der Gegensatz zwischen den einfachen Lampen der relativ armen Mehrheit der Bevölkerung, den prächtigeren der Reichen und prunkvollen Leuchtern der Mächtigen. Gerade die Burgen als lokale Machtzentren waren auch mit Leuchtern ausgestattet, wie sich in Eberbach selbst und in Hirschhorn belegen läßt. Dabei sind unterschiedliche Funktionen zu erkennen, die Beleuchtung haben konnte - in den Ritualen des Kultes, in der politischen Repräsentation, in der  Vermittlung von Luxus und Bedeutung. Zur Rolle der Lichter im Kult läßt sich besonders viel sagen. Die Lampen, die hier eingesetzt wurden, gehören oft zu den prachtvollsten Exemplaren. Zwar haben sich nur wenige der Prunklampen erhalten, aber sie sind des öfteren in Bildern dokumentiert; alte Dichtungen und literarische Werke führen die Verwendungsweise der Lampen vor Augen.

Die Rückbesinnung auf die technischen Erfindungen der Antike regte seit der Renaissance Ingenieuere, angefangen von Leonardo da Vinci, zum Nachbau von Vorrichtungen an, die man in der antiken Literatur beschrieben fand, darunter solchen, die den Betrieb der Öllampen erheblich erleichterten. Durch das Experimentieren mit den technischen Möglichkeiten kam man dann bald auf weitere nützliche Erfindungen, die im Lauf der Zeit immer weiteren Kreisen die Nutzung des künstlichen Lichts ermöglichten. Schließlich gab Mitte des 19. Jh. die Erschließung der neuen Energiequellen Mineralöl und vor allem Elektrizität der Beleuchtung eine ganz neue Dimension.

Für die Ausstellung haben Leihgeber aus Museen der Umgebung ebenso wie einige Sammler, Lampen ausgeliehen, mehrere Heidelberger und Speyerer Museen, das Langbein-Museum in Hirschhorn, das Lobdengaumuseum in Ladenburg und die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. In ganz besonderer Weise wurde die Präsentation durch das einzige Spezialmuseum im Umfeld, das Lichtermuseum in Walldürn-Wettersdorf, dessen Ausstellung die Spannweite vom Altertum bis ins 20. Jahrhundert abdeckt, mit Leihgaben aus seinem reichen und informativen Fundus bereichert.

LeuchterDie Präsentation hat im letzten Jahr eine Gruppe von Studenten an der Universität Heidelberg in interdisziplinärer Zusammenarbeit von klassischer, provinzialrömischer und mittelalterlicher Archäologie unter Leitung von Matthias Untermann, Reinhard Stupperich und Andreas Hensen erarbeitet. Das Ergebnis wurde dann bei einem Internationalen Kongreß von Lampenforschern von der International Lychnological Association (kurz ILA), an der Universität Heidelberg präsentiert. Hintergrund war die riesige Zahl römischer Lampen, die bei Notgrabungen auf dem Gelände des Heidelberger Uni-Campus im Neuenheimer Feld im Verlauf des letzten halben Jahrhunderts zutage getreten sind und die Dr. Hensen gerade publiziert hat. Bereits im 18. Jahrhundert waren Lampen aus diesem Gräberfeld in das kurfürstliche Antiquarium im Mannheimer Residenzschloß gelangt. Übringens ist, wie Andreas Hensen festgestellt hat, sogar die Bezeichnung “Lychnologie” für die Lampenforschung, in Heidelberg vor zwei Jahrhunderten vom ersten Heidelberger Archäologen, Professor Friedrich Creuzer, geprägt worden.