Geschichte des Stadtteils Unterdielbach

Dr. Rüdiger Lenz

Beim Dorf Oberdielbach sind erstmals 1474 zwei Häuser nachzuweisen, die jedoch auf Eberbacher Gemarkung standen und nicht wie Oberdielbach zur Herrschaft Zwingenbergs zählten. Sie sind die Ursprünge des Eberbacher Stadtteils Unterdielbach und durch Rodung städtischen Waldes, der an der Gemarkungsgrenze lag, aus “wilder Wurzel” entstanden. Bereits 1473 musste ein Bauer aus Oberdielbach Zins von einer Wiese zahlen, die auf Eberbacher Gemarkung lag: Die Abgaben standen der Eberbacher Kirche zu. Nur langsam wuchs Unterdielbach, denn der Rat der Stadt bremste wegen der räumlichen Entfernung zu Eberbach jede bauliche Weiterentwicklung. Unterdielbach reichte noch bis in das 17. Jahrhundert nicht über die Größe eines kleinen Weilers hinaus, der nur aus ein paar Höfen bestand. Deren Zahl schwankte zwischen zwei bis vier Höfen. Bei der baulichen Entwicklung von Unterdielbach war die enge Verzahnung mit Oberdielbach typisch, die Gemarkungsgrenze beim Hausbau mitunter umgangen. 1580 gab der Rat neu gerodete Stücke an der Eberbacher Gemarkungsgrenze (Allmende und Haardt) drei Bauern aus Dielbach in Erbbestand, wobei unklar ist, ob diese aus Unter- oder Oberdielbach kamen. Auf dem gerodeten Gelände entstanden zwangsläufig weitere Häuser, doch überschritt die Unterdielbacher Siedlung noch weit in das 18. Jahrhundert hinein nicht die Zahl von maximal vier Hofbauern. Ihre Nutzfläche, auch durch Rodung in der Haardt und in der Buchhälde entstanden, hatten die Hofbauern auf Eberbacher Gemarkung. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird Unterdielbach nur als „Hof“ bezeichnet. 1846 wurden bereits 11 Hofbauern gezählt. Die Menschen in Unterdielbach lebten von den Erträgen der Viehzucht und der Landwirtschaft. Die Felder wurden mit Raps und Gerste sowie mit „Kraut“ und „Wurzel“ bestellt. 1934 sollte durch Rodung im Stadtwald Haardt direkt an der Gemarkungsgrenze zu Oberdielbach eine Anliegersiedlung geschaffen werden. Um 1955 hatte Unterdielbach 23 Häuser und 16 Scheunen. Die überlappende bauliche Verzahnung zwischen Unter- und Oberdielbach, besonders die Unterhaltung des sog. Grenzwegs, hielt Beschwerden ständig an der Tagesordnung.

Unterdielbach gehörte stets zur Stadt Eberbach. Der abgetrennte „Nebenort“ hatte anscheinend im frühen 19. Jahrhundert im jährlichen Wechsel einen „Bürgermeister“ als Vertreter der Stadt, der (nach der ältesten badischen Gemeindeordnung von 1831) durch einen zeitlich länger amtierenden „Beauftragten des [Eberbacher] Bürgermeisters“ bzw. Stabhalter ersetzt wurde. Die Stabhalter, deren Funktion nach 1945 keine gesetzliche Grundlage mehr hatte, wurden von den Bürgern des Stadtteils gewählt. Trotz der jahrhundertelangen Zugehörigkeit zur Stadt gab es Abspaltungsversuche, die von den Bürgern Unterdielbachs ausgingen. Ende Februar 1836 stellten die 16 Bürger zu Unterdielbach (darunter eine Witwe) den Antrag, wegen der Entfernung zur Stadt und der angeblich mangelhaften Betreuung eine eigene Gemeinde bilden zu dürfen. Ihr Ersuchen wurde vom Eberbacher Gemeinderat abgelehnt. Im November 1878 wurde die Trennung Unterdielbachs von Eberbach erneut diskutiert, doch nicht durchgesetzt. Die räumliche Entfernung von Unterdielbach zur Stadt Eberbach war immer eines der Argumente für eine Umgliederung zum unmittelbar angrenzenden Dorf Oberdielbach. Zwischen 1931 und 1935 ließen sich von der Stadt Eberbach ausgehende Eingemeindungsprojekte nicht durchsetzen, u.a. auch die Eingliederung des [damals] 591 Einwohner umfassenden Dorfes Oberdielbach nach Eberbach. Die Eingemeindung wurde mit wirtschaftlichen Aspekten, mit dem ungünstigen Verlauf der Gemarkungsgrenze und mit Problemen der Wasserversorgung begründet. Dagegen wünschte Oberdielbach die Zuweisung von Unterdielbach. Die trennende Kreisgrenze (damals: Mosbach/Heidelberg) wirkte als weiterer unüberwindbarer Faktor. Auch scheiterte eine Umgliederung Unterdielbachs, das inzwischen mit Oberdielbach zusammengewachsen war, bereits 1929 am einhelligen Votum des Eberbacher Gemeinderats, der dabei die Abtretung eines großen Teils der Gemarkung und damit einen Verlust an Vermögenswerten befürchtete. Trotz der vorgebrachten Umgliederungswünsche unterstützte anscheinend nur eine Minderheit von Unterdielbach die Abtrennung von Eberbach, zumal es Spannungen (Vorwürfe der Benachteiligung!) mit Oberdielbach gab. Im Zuge der Feinabgrenzung nach Abschluss der Gemeindegebietsreform lehnten die Unterdielbacher Abstimmungsberechtigten im September 1976 mit deutlicher Mehrheit (72:6 Stimmen bei 107 Einwohnern) eine Umgemeindung in die neu gebildete Gemeinde Waldbrunn ab.

Jahrhundertelang bezogen die Menschen in Unterdielbach ihr Wasser aus dem örtlichen Brunnen. Im Jahr 1902 baute die Stadt die erste Wasserleitung in Unterdielbach, das 1921 an den Wasserversorgungsverband des Winterhauchs angeschlossen wurde. 1920 erhielt Unterdielbach elektrischen Strom (durch das staatliche Netz). Die engen Bindungen nach Oberdielbach spielten auch bei der Frage der Kanalisation von Unterdielbach eine wichtige Rolle.

Der Schulunterricht für die Kinder aus Unterdielbach wurde im frühen 19. Jahrhundert vom Lehrer in Oberdielbach erteilt. Doch gab es Spannungen, nicht nur wegen der Besoldung des Lehrers, sondern auch wegen der Frage des Unterhalts der Schule. Weder die Eltern der Kinder aus Unterdielbach noch die Stadt Eberbach konnten oder wollten einen Beitrag für die Errichtung des neuen Schulhauses in Oberdielbach entrichten. Im Jahr 1837/8 wurde in Unterdielbach eine eigene Schulstelle eingerichtet und dort offenbar in angemieteten Räumen eines Privatmanns unterrichtet. Seit 1848 gingen die Kinder aus Unterdielbach zwar aufgrund einer Vereinbarung in Oberdielbach zur Schule, doch kam es erst 1890  zu einem förmlichen Schulverband zwischen Unter- und Oberdielbach. Die 1950/51 neu erbaute Schule zu Oberdielbach wurde gemeinsam mit Eberbach finanziert.

Literaturhinweis

Rüdiger Lenz: Geschichte des Eberbacher Stadtteils Unterdielbach, in: 650 Jahre Oberdielbach mit Unterdielbach, Herausgeber: Gemeinde Waldbrunn, Limbach-Wagenschwend 2010, S. 223-228.

Wolfgang Bachert: Veränderungen in Unterdielbach im 20. Jahrhundert in einigen Beispielen, in: 650 Jahre Oberdielbach..., S. 229-232.

 

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