Geschichte des Stadtteils Lindach

Dr. Rüdiger Lenz

Die Geschichte des kleinen Weilers Lindach, dessen Entwicklung von Eberbach beeinflusst war, ist bisher noch nicht erforscht. Lindach, das zum ersten Mal im Jahr 1364 - bei der Beschreibung des Bezirks der Burg Zwingenberg - erwähnt wird, scheint eine Gründung des Hochmittelalters zu sein. Der Weiler dürfte ursprünglich zum Herrschaftsbereich der Burg Zwingenberg gehört haben. Dafür sprechen die engen herrschaftlichen und kirchlichen Verbindungen mit Neckargerach und der noch im 14. Jahrhundert bezeugte umfangreiche Grundbesitz des Geschlechts Zwingenberg. Die Herren von Zwingenberg besaßen ertragreiche Fischgründe bei Lindach und bei dem (verschwundenen) Weiler Krösselbach.

Das Dorf Lindach befand sich bereits um 1370 im Besitz des Pfalzgrafen. Diesem gehörte der Grund und Boden im Weiler, jedes Haus dort war daher an ihn zins- und steuerpflichtig. Ein besonderes Zeichen der grund- und leibherrlich vermischten Abhängigkeit der Untertanen war das sog. Herdrecht, eine Art grundherrlicher Steuer, die wie in Neckargerach beim Tode des Inhabers eines Hauses oder einer Feuerstelle entrichtet werden musste. Da die Wohnstätten der Untertanen auf herrschaftlichem Boden standen, mussten sie pro Haus ein sog. Ernte- bzw. Fastnachtshuhn als Grundzins liefern.

1459 wurden vier zu Lindach gerechnete Untertanen für ihre Häuser in der Stadt Eberbach besteuert. Der Weiler Lindach umfasste 1556 nur acht Haushaltungen, 1572 zählten Lindach und Krösselbach zusammen nur 10 Haushaltungen. Die von der Pest verschonten Bewohner des Weilers Krösselbach wurden 1612/13 anscheinend nach Lindach (nach anderen Quellen: Rockenau) umgesiedelt.

Die Verbindungen nach Eberbach waren schon immer eng. Die Lindacher durften mit ihrem Vieh die Mark der Stadt über die Laudenbach beweiden, weigerten sich aber als Ausleute, die Güter in Eberbach hatten, Frondienst, Wächterdienste und Bede zu leisten bzw. zu entrichten. Deshalb sperrte ihnen die Stadt den Viehtrieb auf ihrer Gemarkung, welcher für die Lindacher Untertanen von großer Bedeutung war. Erst nach einer Vermittlung erhielten sie 1419 ihre althergebrachten Nutzungsrechte zurück, verpflichteten sich aber dafür zur Leistung ihrer Steuern, auch für Wach- und Frondienste. Die Gemeinde Lindach selbst besaß nur ein Stück Wald-Allmende, wozu auch das Recht auf die Waldrügen gehörte.

Lindach bildete zusammen mit Neckarwimmersbach, Rockenau, Pleutersbach, Igelsbach, Neckargerach und Schollbrunn den Bezirk der pfälzischen Kellerei Eberbach, die übergeordneten Hoheitsrechte wurden vom Inhaber der Zent Eberbach, die seit 1330 zur Kurpfalz gehörte, ausgeübt. Bei der Musterung der Eberbacher Zent vor dem Dreißigjährigen Krieg waren Lindach und der Weiler Krösselbach zusammen veranlagt. Gemeinsam mit Krösselbach stellte man einen Schöffen im Eberbacher Zentgericht. Die ortsherrlichen Rechte in Lindach übte der Pfalzgraf über sein Dorfgericht Neckargerach aus. Der Weidgang stand ihm ebenfalls zu, das Jagdrecht übten bis in den Dreißigjährigen Krieg hinein die Herren vom Hirschhorn aus. Zusammen mit Eberbach fiel Lindach 1410 an die pfälzische Seitenlinie in Mosbach. Durch den Erbfall von 1499 wurde die Kurpfalz wieder Landesherr. 1803 kam Lindach zusammen mit dem Herrschaftsbereich Eberbach an das Fürstentum Leiningen; seit 1806 ist es badisch. Die beiden Konfessionen waren nach Neckargerach eingepfarrt.

Die Untertanen lebten bis weit in das 20. Jahrhundert hinein hauptsächlich von der Landwirtschaft, die Güter waren ursprünglich nicht zerstückelt. Die Gewerbebetriebe galten im 19. Jahrhundert als unbedeutend, im Ort gab es nur eine Gaststätte. Die Versorgung mit Trinkwasser war durch einen öffentlichen Springbrunnen und mehrere Privatbrunnen gesichert. Mit Zwingenberg bestand ein Feuerspritzenverband. Die Spritze stand in Zwingenberg, Feuerleiter und Feuerhaken wurden vom Lindacher Bürgermeister aufbewahrt. In Lindach gab es ein Schulhaus, in das sowohl die evangelischen wie die katholischen Kinder zum Unterricht gingen. Zuvor hatten die Katholiken die Schule in Zwingenberg besucht Ein Rathaus gab es noch nicht, der Ortsarrest befand sich in einem Privathaus. Der Friedhof war sehr klein.

Lindach gehörte bis 1924 zum Bezirksamt Eberbach, danach zum Bezirksamt Mosbach. Bis zur Eingliederung nach Eberbach (1973) zählte die Gemeinde Lindach, die schon 1835 ein auf den Ortsnamen (die Linde) bezogenes Wappen besaß, daher zum [ehemaligen] Landkreis Mosbach. Schon 1906 ging von Lindach der Gedanke der Eingemeindung nach Eberbach aus. Mehrere Anläufe zwischen 1922 und 1935, die kleine Gemeinde nach Eberbach einzugliedern, scheiterten, auch an der ablehnenden Haltung der Lindacher Bürger.

Zum 1. Januar 1973 wurde die bisher selbständige Gemeinde Lindach im Rahmen der kommunalen Gebietsreform aufgrund einer freiwilligen Vereinbarung in die Stadt Eberbach eingegliedert. Lindach hatte zum Zeitpunkt der Eingliederung 200 Einwohner und 141 ha Fläche, davon waren 75 ha Wald. Das Dorf umfasste 50 Häuser und Stallungen und besaß Rathaus mit Schule. Die Bauern hielten zusammen 50 Rinder und 18 Schweine. Lindach sicherte sich eine Reihe von Separatrechten, darunter eine eigene Vertretung mit Ortsvorsteher bzw. Ortschaftsverfassung mit gewissen autonomen Rechten, besonders aber die Durchführung bestimmter investiver Maßnahmen im bisherigen Gemeindegebiet. Für Lindach waren die Weiterführung von Bebauungsplänen und die Einrichtung von Kindergärten bedeutsam. Hinzu kamen der Ausbau der Wasserversorgung, die Erweiterung des Friedhofes und der Bau einer Friedhofshalle. Die Friedhofskapelle wurde 1986 erbaut. Mit den durchgeführten städtebaulichen Maßnahmen gelangte Lindach der Anschluss an das städtische Niveau, wie überhaupt die Vereinheitlichung der Lebensverhältnisse den Intentionen der Eingemeindungsverträge entsprach. Die Freiwillige Feuerwehr ist ein selbständiger Zug im Rahmen der städtischen Feuerwehr.

Literaturhinweise

  • Roland Vetter: „Die Gewerbe sind ganz unbedeutend“. Bezirksamtmann Guerillots Ortsbereisungsprotokolle von Neckarwimmersbach, Pleutersbach, Rockenau, Igelsbach, Lindach und Friedrichsdorf aus dem Jahre 1855, in: Eberbacher Geschichtsblatt 83 (1984), S. 38-65.
  • Walter Helm: Zur Geschichte der Poststation in Lindach, in: Eberbacher Geschichtsblatt 97 (1998), S. 122-126.
  • Rüdiger Lenz: 25 Jahre Zugehörigkeit zu Eberbach: Die Stadtteile Lindach und Friedrichsdorf (1973-1998), in: Eberbacher Geschichtsblatt 98 (1999), S. 165-167.
 

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